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Eine Werbung, die wir gut und gerne sehen wollen

aus einem Land, in dem wir gut und gerne leben wollten

Spätestens seit YouTube, Maxdome, Netflix und Amazon das lineare Fernsehen überflüssig machten, konsumiere ich dieses Medium entsprechend wenig. Vermisst habe ich es selten, unter anderem, da mir der starre Zeitplan häufig zuwider ist. Am Morgen des 23.12.2017 fragt meine Mutter mich, ob ich abends mit meiner Familie ‚Kevin allein zu Haus‘ anschauen würde. Aus Höflichkeit heraus sage ich: „Vielleicht, mal schauen“, während es in mir irgendwas zwischen „schon tausendmal gesehen“ und „schaue ich ansonsten bei Netflix“ denkt. Im weiteren Verlauf dieses grauen, verregneten Tages werde ich dann allerdings medial indoktriniert – Weihnachtslieder im Radio, das ganze Haus leuchtet und funkelt. Als Konsequenz aus dem X-Mas-Brainwashing kann ich mich nicht dagegen wehren, beim Abendessen intensive weihnachtliche Gefühlsduseleien zu erfahren. Kurzerhand reaktiviere ich bei Freenet das DVB-T2 CI-Modul, stelle -mangels Infrastruktur – die Zimmerantenne nach draußen, et voilà: ich bin endlich wieder eine passive Komponente des hochwertigen Rundfunksystems dieses Landes.

Wahrer Populismus

Den mutigen, kleinen, blonden Jungen aus diesem wunderschönen, modernen Weihnachtsmärchen muss ich aufgrund allgemeiner Reputation wahrscheinlich nicht weiter thematisieren. Als Sat.1 mich in den ersten Werbeblock schickt, erblicke ich es plötzlich: glückliche Pärchen umhüllt von weihnachtlicher Liebe, als Engel verkleidete, singende Kinder, leckere Schoko-Weihnachtsmänner, offene und wunderschön beleuchtete Weihnachtsmärkte – das perfekte Weihnachten in der westlichen Welt. Während ich mich gerade von Merci-Schokolade berieseln lasse, sehe ich in meinem Kopf die Bilder von Scharfschützen, Merkel-Pollern und Polizisten mit G36 und realisiere: Reinster Populismus.

Der Wunsch der Bevölkerung

Werbung hat – verglichen mit Politik und Medien – den Vorteil, dass sie sich am Interesse der Mehrheitsgesellschaft orientiert und von daher einen ganz hervorragenden Spiegel der breiten Masse darstellt. Sie zeigt uns daher die wirklich geheimen Wünsche der Bevölkerung. Der Wunsch nach dieser Illusion ist seit jeher so groß, dass 2017 der deutsche Einzelhandel gut und gerne 100 Mrd. umgesetzt hat. Ich habe mit Faszination beobachtet, welche Bilder unsere Sinne so stimulieren, dass wir bereit sind, Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben. Zumindest sind es Bilder, die stark von dem Transgender-Multikulti-Terrorismus, der uns täglich in den Medien geboten wird, abweichen. In der Werbung existiert kein Krieg, kein Terrorismus, keine Vergewaltigungen, kein Antisemitismus, keine ausufernde Massenmigration – faktisch existieren die meisten Sorgen der Normalbürger des Jahres 2017 nicht.

Weihnachten ist zeitlos

Was mich persönlich missgünstig stimmt, ist die Tatsache, dass sich bei weihnachtlicher Werbung in den letzten 20 Jahren keine wirkliche Modernisierung eingestellt hat, das Utopia ist jedoch in merklich größere Entfernungen entglitten – am grundsätzlichen Wunsch hat sich nicht viel geändert. Die Werbung zeigt uns dieses gelobte Land, in welchem wir alle gut und gerne leben wollen und in diesem Land sieht es eben so aus wie bei ‚Kevin allein zu Haus‘ – mit Kinderchören, netten Verbrechern, ausschließlich Menschen mit gleicher kultureller Prägung, lösbaren Problemen, Schnee und Weihnachtsdekoration; und die böse Straßengang ist eine Polka-Band.

Natürlich stört der super integrierte Quotenmigrant ebensowenig wie Personen mit abnormaler Sexualität, offensichtlich gehören sie jedoch nicht zum Utopia der Durchschnittsbevölkerung.

Bildquellen

  • bunterteller: Christian Dreschel
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Christian Dreschel

Liberal-Konservativer Geist, Islamkritiker, Religionskritiker, Israel-Versteher, Hobby-Autor, Ideologiefeind, Technokrat, Nerd, Apple-Fanboy, Microsoft-Junkie, Demokratie-Liebhaber, Kind europäischer Eltern und stolzer Bewohner der Bundesrepublik Deutschland

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