DoppelmoralExtremismusMeinung (Gesellschaft)

Wehret den Anfängen

die ihr selbst begründet

Seit dem bundesweiten Siegeszug der AfD hat sich eine, zuvor kaum verwendete, Methode, Menschen mit politisch oder gesellschaftlich abweichender Meinung öffentlich zu demontieren, ohne dabei ein ein einziges, valides Argument anzuführen, im medialen und öffentlichen Mainstream etabliert. Es ist die „Nazi-Keule advanced“, denn im Gegensatz zu den meist haltlosen und relativ einfach widerlegbaren Rassismusvorwürfen wird bei diesem Phänomen der gesamte Inhalt zu Grabe getragen, um direkt mit einer Deutungsdebatte um persönliches Empfinden zu beginnen. Auf mich wirkt es immer wieder so, als würde irgendwo dort draußen eine Trollarmee sämtliche Wörter in Aussagen von AfD-Personal auf einen nationalsozialistischen Hintergrund überprüfen.

Goebbels hat auch ‚der, die und das‘ gesagt

Diese Extremisten der politischen Korrektheit suchen und finden regelmäßig irgendwelche Anstößigkeiten und wenn sie nichts Anstößiges im Vokabular selbst entdecken, dann wird dem Sprecher einfach eine Nazi-Gesinnung unterstellt und aus den Emotionen eines Dritten eine Motivation herausgefühlt. Ist es dann immer noch nicht böse genug, werden sprachliche Regeln wie z.B. der Genitiv ignoriert und der Skandal um das „Denkmal der Schande“ ist komplett – vielleicht liegt das aber auch lediglich an den mangelnden Kenntnissen der deutschen Sprache beim Auditor. Dieser ganze Unfug wäre eigentlich gar nicht der Rede wert, wenn die Feind_Innen (oder Feind*innen bzw. FeindInnen o.ä.) von Björn Höcke damit nicht ein bundesweites Echo erzeugt hätten – und KEIN Mainstream-Journalist hat es für notwendig gehalten, das Volk darüber aufzuklären, dass ein „Denkmal der Schande“ kein „Schandmal“ ist – egal wie sehr einige das gerne hätten.

Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda

Auf der Internetseite ‚lehrerfreund.de‘ habe ich eine schöne Zusammenfassung gefunden, der Autor beschreibt die Komponenten von „Nazi-Sprech“ wie folgt:

  • Neologismen (Wortneuschöpfungen)
  • Euphemismen
  • Gigantomanie / Superlative
  • Einhämmern von Wiederholungen
  • Wertende Sprache (durch wertende Adjektive)
  • Unbestimmtheit / Verschwommenheit der Sprache
  • Metaphern aus Technik/Biologie
  • Religiöse Begriffe (Mission, ewig, heilig, etc.)
  • Formalistische Sprache
  • Scheinlogik
  • Sehr verständlich und einprägsam
  • Gegensatzpaare (z.B. links-rechts, gut-böse, Freund-Feind, West-Ost)
  • Meinung zu Tatsache verklären
  • Identifizierung (Entweder Du bist für uns oder gegen uns)
  • Persönliche Verunglimpfung des Gegners
  • Übertragung alles Negativen auf einen „Sündenbock“
  • Falschinformationen

Aus dieser Aufzählung ziehe ich eine interessante Erkenntnis, denn offensichtlich sind es keine Vokabeln (Rasse, Untermensch, Volk, Erinnerungswende, etc.) die auf nationalsozialistische Sprache hinweisen, sondern die Prägung der Sprache im 3. Reich entstand durch die Verwendung einer Vielzahl alltäglicher, sprachlicher Mittel und erst in Summe wird Nazi-Suppe draus. Würde jedes dieser Mittel sofort Nazi-Gesinnung bedeuten, dann wäre jeder von uns ein Nazi, denn aus der alltäglichen Sprache sind viele dieser Mittel gar nicht wegzudenken. Politiker, Journalisten, Lehrer, Chefs, usw. lieben, völlig unabhängig von der persönlichen Gesinnung, viele dieser Mittel und setzen diese regelmäßig ein. Offensichtlich also entsteht diese Wertung durch den Zuhörer.

Denn nur was ich selber denk und tu‘

– traue ich auch andern zu. Das beste Mittel der Selbstwahrnehmung ist und bleibt die Reflexion des Verhaltens anderer. Geflügelte Aussagen wie „den Spiegel vorgehalten bekommen“ bzw. „die eigenen Fehler sieht man am Besten bei anderen Menschen“ weisen unter’m Strich alle auf die typisch menschliche Eigenart hin, dass persönliche Kritik an anderen immer genau das anvisiert, was man an sich selber nicht so recht mag. Wir projizieren – eigentlich ein geniales Mittel von Mutter Natur, das uns (so wir darauf achten würden) verrät, an welcher Stelle unsere Selbstwahrnehmung versagt respektive fehlerhaft ist. Dies ist in meinen Augen das große Problem des modernen Linksextremismus, denn die Anhänger dieser Ideologie bedienen sich regelmäßig an sprachlichen und politischen Mitteln des Nationalsozialismus und des Faschismus. So gesehen wehren sie irgendwie schon den Anfängen, denn sie projizieren ihr eigenes Verhalten auf den politischen Gegner, aber anstatt dadurch den eigenen Faschismus zu erkennen, halten politische Korrektheit sowie moralische Überlegenheit sie von jeglicher Reflexion ab – wenn nämlich die eigene Meinung bereits die Beste aller Meinungen ist, bedarf es keiner Selbstkritik. Durch dieses Verhalten begründen sie, ohne es zu bemerken, genau das, wogegen sie sich eigentlich verwehren wollten.

Die ganze Welt hasst die Polizei

Obwohl viele Linksextreme von sich behaupten, Libertäre zu sein, bedienen sie sich des Faschismus. Als Rechtfertigung für den von ihnen ausgeübten Terrorismus wird die Unterdrückung durch den Staat angeführt, diese Staatsautorität wird in einen Akt körperlicher Gewalt verklärt und plötzlich werden aus Terroristen Opfer, die sich ja nur zur Wehr gesetzt haben. Dinge wie dies und die weiter oben beschriebenen, sprachlichen Mittel des Nationalsozialismus finden sich überall in der linksextremen Szene wieder. So zum Beispiel auch auf http://de.indymedia.org, dem Nachfolger des vom Innenministerium verbotenen, linksradikalen Portals http://linksunten.indymedia org. Die Tatsache, dass die Linksfaschisten ihr Treiben unter derselben Second-Level-Domain, ohne jegliche weitere Konsequenzen (ohne eine weitere Verbotsinitiative) fortsetzen können, ist ein Skandal, der seines Gleichen sucht. Wären das Aktivitäten der rechtsextremen Szene gewesen, wäre das auf den Titelseiten aller Tageszeitungen gelandet. Ein Zeichen massiven Staatsversagens – an dieser Stelle möchte ich auf die Bücher „Der Links-Staat“ und „No-Go Areas“ hinweisen.

Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – Schwarz, Rot, Gold wird abgebrannt!

Nehmen wir uns doch mal der Kritikpunkte der linksextremen Szene an Staat, Recht und Rechts an – ich möchte gerne die sprachliche Reinheit der Linksradikalen anhand der Liste von lehrerfreund.de testen.

NeologismenjaBinnen-I bzw. Gender-Gap. Finden Sie, werte Leser_Innen z.B. hier
EuphemismenjaInflationäre Verwendung des Wortes "Angriff" statt z.B. Sachbeschädigung oder Körperverletzung.
SuperlativejaBenutzt im 21. Jahrhundert jeder.
WiederholungenjaIrgendwer ist immer Schuld und/oder wird angegriffen - der Staat, die Polizei, das Kapital u.s.w.
ArroganzjaSprachliche und moralische Arroganz gehen Hand in Hand.
Starke WertungjaDoxing von Personen
Imperativer StiljaWehret den Anfängen!
UnbestimmtheitjaStaatsgewalt = Legitimation eigener Gewalt
MetaphernjaBullenschweine / Schweinestaat etc.
religiöse BegriffeneinSchwingt höchstens im Subkontext mit
FormalismusjaAllgegenwärtig
ScheinlogikjaFeminist*Innen, die Ausländerkriminalität beklagen, sind keine Feministen, denn Feminismus ist immer antirassistisch
EinprägsamjaNie, nie, nie wieder Deutschland
Nationalismus raus aus den Köpfen (danach klatschen)
GegensatzpaarejaRechte vs. Linke
Staat vs. Freiheit
Meinung zu Tatsachejasiehe Scheinlogik
IdentifizierungjaSelbstverständlich beim Extremismus
VerunglimpfungjaFall Boris Palmer
Sündenbock suchenjaStaat, Kapital, Recht, Polizei und alles, das nicht wie sie ist
FalschinformationenjaWirtschaft wird zum Täter verklärt

…und da schließt sich der Kreis der Reflexion auch schon wieder, denn würde es kein Recht auf Nazipropaganda geben, dürftet ihr auch nichts sagen. Ich muss jedoch feststellen, dass es euch offensichtlich gar nicht um den Kampf gegen Nazis geht, sondern ausschließlich um das Durchsetzen eures faschistischen Utopias. Deswegen passt ihr auch so gut zu Stalin, Hitler, Mohammed und Mao – die haben ihre Morde und ihren Terror mit derselben Logik begründet – das Ergebnis ist hinlänglich bekannt. Deswegen möchte ich abschließend die folgende Fragen stellen:

Wo, wo, wo ist da die Logik?

Bildquellen

  • wasserfall: Christian Dreschel
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Christian Dreschel

Liberal-Konservativer Geist, Islamkritiker, Religionskritiker, Israel-Versteher, Hobby-Autor, Ideologiefeind, Technokrat, Nerd, Apple-Fanboy, Microsoft-Junkie, Demokratie-Liebhaber, Kind europäischer Eltern und stolzer Bewohner der Bundesrepublik Deutschland

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